Die Brettener Friedenstage wurden mit einem Konzert der „Europe Spirit Songwriter“ unter dem Thema „Kooperation“ in der Stiftskirche eröffnet. Das für für den Folgetag in Temple Neuf in Straßburg geplante Partnerschafts-Konzert musste wegen der dort aktuellen Sicherheitslage abgesagt werden, nachdem es schon in Metz einen Angriff auf die Kathedrale gegeben hatte.
Sängerin „Peaces“ (Mitte) bei ihrem Lied „Tanzen“ - mit Alex Klaiber und Susa Marquardt
Dekanin Ulrike Trautz und Bürgermeister Michael Nöltner (rechts) bedanken sich bei der Gruppe der „Europe Spirit Songwriter“.
24 Musiker:innen aus Frankreich, Deutschland, Holland und der Schweiz hatten sie sich im August im Centre Culturel Saint-Thomas in Straßburg getroffen, um gemeinsam Lieder für das Zusammenleben in Europa zu produzieren. Nun präsentierten sie ihre neuen Ergebnisse live.
Moderiert wurde das Konzertprogramm von der französischen Liedermacherin Isabelle Grussenmeyer, die die Text-Referentin dieses Projektes ist. Mit ihrer Spontaneität und der Elsässer Mundart sammelte sie viele Sympathiepunkte. Sie stellte auch - zusammen mit internationalen Musikern - ein Lied für den grenzüberschreitenden Zusammenhalt vor. „Zsàmme kùmme, zsàmme schaffe, zsàmme hàlte, zsàmme hoffe ...“ sang dann am Ende das ganze Publikum mit.
Dekanin Ulrike Trautz und Bürgermeister Michael Nöltner begrüßten Publikum und internationale Gäste, bevor Organisator Gunter Hauser einen Impuls des erkrankten Prof. Neddens von der Europäischen Melanchthon-Akademie vortrug. Neddens informierte über die Zusammenarbeit zwischen Philipp Melanchthon aus Bretten und Martin Bucer in Straßburg vor 500 Jahren. Er betonte dabei die Fähigkeit, unterschiedliche Sichtweisen interessiert aufzunehmen und zu akzeptieren und dennoch gut miteinander zu kooperieren. Dieser Geist werde in diesem Songwriting-Projekt weitergeführt, so Neddens.
Die Musiker setzten das Thema nicht nur inhaltlich, sondern auch ganz praktisch um. Sie unterstützten sich gegenseitig, um jedes Lied bestmöglich zu präsentieren. Dabei waren verschiedenste Stilrichtungen vertreten, und erstaunlich war der Tiefgang vieler Songtexte. Sängerin „Peaces“ analysierte in ihrem Lied „Tanzen“ die komplexe Problemlage der Welt, um dann im Refrain als genial einfache Lösung das Tanzen vorzuschlagen. „Tanzen für die Liebe, für die Freiheit, für den Frieden.“ Sie sang das so überzeugend, dass das Publikum in der Kirche spontan mitgetanzt hat.
„Kooperation ist nicht nur aktuelles Thema, sondern Kern des Projektes“ betont Gunter Hauser, der diese Songwriting-Seminare nun seit 25 Jahren durchführt. Durch eine gezielte Ausblendung der Konkurrenz entstehe eine begeisternde Atmosphäre, die Grundlage für anhaltende internationale Kooperationen ist. Und in dieser Linie sieht er auch einen Lösungsansatz für den Weltfrieden.
Das Französische Fernsehen war mit einem Kamerateam einen ganzen Tag bei dem Seminar in Straßburg dabei und hat eine Reportage gedreht, die inzwischen schon drei Mal gesendet wurde. Nachzusehen unter http://europespirit.eu/Foerderung. Auf dieser Seite wird nun auch um Unterstützung geworben, da derzeit öffentliche Fördergelder wegbrechen und die Fortführung gefährdet ist. Für Spenden stellt das Evangelische Dekanat Spendenbescheinigungen aus.
Das Projekt „Europe Spirit Songwriting“ verbindet vierzehn Partner in Europa. Die Stadt Bretten und der Evangelische Kirchenbezirk Bretten-Bruchsal haben in Zusammenarbeit die Trägerschaft übernommen, um an den europäischen Dialog Philipp Melanchthons anzuknüpfen. Sponsoren in Bretten sind die Lions-Clubs Bretten-Stromberg und Bruchsal und die Sparkasse Kraichgau Stiftung.