„Jeder Mensch zieht seine eigenen Konsequenzen aus seiner Familiengeschichte – das muss man ohne Wenn und Aber respektieren.“ Rolf Schmitt hatte das immer wieder betont. Der Initiator der Stolperstein-Aktion in Bruchsal starb wenige Wochen vor der elften Verlegung. „Sein unermüdlicher Einsatz für die Bruchsaler Gedenkkultur und Versöhnungsarbeit hat ganz besondere Zeichen und Maßstäbe gesetzt“, sagte Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick. Auf einem Foto in der aktuellen Gedenkschrift ist Schmitt im Kreis der Familie Rosenberg zu sehen – sie haken sich bei dem Bruchsaler unter – auch Leo Rosenberg. Das Bild entstand 2015 in London. Die Kontakte, die Rolf Schmitt weltweit zu Familien und Nachfahren ehemaliger jüdischer Bürgerinnen und Bürger von Bruchsal unterhalten und durch Auslandsreisen weiter intensiviert hat, waren ungezählt und vielfältig“, so Petzold-Schick.
2015 wurden die kleinen Mahnmale zum ersten Mal in der Stadt verlegt. Rund 180 sind es bis jetzt. Der Künstler, Gunter Demnig, verlegt sie alle selbst. „Mit den Stolpersteinen sind die Menschen plötzlich wieder gegenwärtig“, sagt Demnig über die Idee hinter seinem Projekt. Das Ritual ist immer gleich: Demnig kniet auf dem Boden, umgeben von Eimern mit Wasser und Sand, setzt die Steine in vorbereitete Lücken ein, klopft sie mit einem Hammer fest, wischt anschließend die quadratischen Messingplatten mit einem Tuch blank.
Wir wollen Stolpersteine dort verlegen, wo die NS-Opfer zuletzt freiwillig lebten“, erklärte Thomas Adam vom Kulturamt der Stadt. Mehrere Stolpersteine wurden deshalb auf der Verkehrsinsel an der Seilersbahn verlegt, früher standen an dieser Stelle Häuser. Wer die Insel überquert, erfährt beim Blick auf den Boden, dass dort Karl Schilling, „KPD-Sympathisant“, wohnte. „Am Beispiel meines Großvaters sieht man, dass die Nazis auch nichtjüdische Menschen ermordeten, die ihnen missfielen“, erinnerte Enkelin Dagmar Graf.
Unter der Leitung von Florian Jung hatten die Schüler/-innen der Projektgruppe „Stolpersteine“ des Justus-Knecht-Gymnasiums Akten durchforstet, Fotos gesucht, Zeitzeugen und Nachfahren befragt. Sie stellten die Lebensgeschichten der NS-Opfer direkt an den Verlege-Stellen und anschließend im Rathaus vor.
Die Gruppe Shtetl Tov umrahmte die gesamte Gedenkveranstaltung mit Klezmer-Musik.
Martina Schäufele